Aktuelles › Fraun­ho­fer IOF • Inno­va­tive Grün­dungs- und For­schungs­ideen beim »Digi­tal Pitch 2021« ausgezeichnet

Neu­este Tech­ni­ken zur Früh­dia­gnose von Krebs und Alz­hei­mer, Quan­ten­bild­ge­bung für die Bio­me­di­zin und die kon­takt­lose Erfas­sung von Fin­ger­ab­drü­cken: Beim dies­jäh­ri­gen »Digi­tal Pitch« des Jenaer »Digi­tal Inno­va­tion Hub Pho­to­nics« wur­den wie­der inno­va­tive For­schungs- und Grün­dungs­pro­jekte aus der Pho­tonik­bran­che aus­ge­zeich­net. Die Gewin­ner­teams erhal­ten eine För­de­rung in Höhe von ins­ge­samt 120.000 Euro aus Mit­teln des Thü­rin­ger Minis­te­ri­ums für Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Digi­tale Gesellschaft.

Neue Geschäfts­ideen und junge For­schung im Bereich Optik und Pho­to­nik zu unter­stüt­zen – das ist das Ziel des »Digi­tal Inno­va­tion Hub Pho­to­nics« (DIHP). Am 28. Januar lud er bereits zum drit­ten Mal zum »Ele­va­tor Pitch« ein – in die­sem Jahr erst­mals kom­plett digi­tal. Nach­wuchs­for­schende waren dazu auf­ge­for­dert, neu­este For­schungs­ideen und Geschäfts­mo­delle unter Anwen­dung von Optik und Pho­to­nik zu präsentieren.

Die Gewin­ner­teams erhiel­ten eine För­de­rung ihres For­schungs­pro­jek­tes in Höhe von jeweils 50.000, 40.000 bzw. 30.000 Euro sowie eine pro­fes­sio­nelle Beglei­tung beim Auf­bau der eige­nen Geschäfts­idee. Bei Inter­esse besteht außer­dem die Mög­lich­keit, nach Abschluss erfolg­rei­cher Vor­lauf­for­schung einen Koope­ra­ti­ons­ver­trag für die stra­te­gi­sche Zusam­men­ar­beit mit For­schungs­ein­rich­tun­gen am Leis­tungs­zen­trum Pho­to­nik, wo der DIHP ange­sie­delt ist, abzuschließen.

Teams aus Ita­lien, der Schweiz sowie aus Ber­lin und Thü­rin­gen waren beim »Digi­tal Pitch« ange­tre­ten. Den ers­ten Platz sicherte sich ein Start-up aus Mai­land. Die Plätze zwei und drei beleg­ten Thü­rin­ger Jungunternehmen.

Die drei Sie­ger­teams vom »Digi­tal Pitch 2021«

Eine Jury beur­teilte die prä­sen­tier­ten Vor­ha­ben nach ihrer wirt­schaft­li­chen Ver­wert­bar­keit, ihrer Rele­vanz als Schlüs­sel­tech­no­lo­gie sowie der Trag­fä­hig­keit der Geschäfts­mo­delle. Dem Aus­wahl­gre­mium gehör­ten Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter ver­schie­dens­ter Insti­tu­tio­nen aus Wirt­schaft und Wis­sen­schaft, dar­un­ter u. a. Unter­neh­men wie die Jen­op­tik AG, die AMS Sen­sors Ger­many GmbH, die Axel Sprin­ger hy GmbH oder auch der Optec-Ber­lin-Bran­den­burg (OpT­ecBB) e.V. Dar­über hin­aus waren der High-Tech Grün­der­fonds, der Grün­der­ser­vice K1 der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät Jena, der Grün­der­ser­vice der Ernst-Abbe-Hoch­schule Jena sowie das Fraun­ho­fer-interne Tech­no­lo­gie­trans­fer­pro­gramm AHEAD in der Jury ver­tre­ten. Sie wähl­ten die drei Sie­ger­teams aus:

 

1. Platz | Spec­tro Srl. (Mai­land, Ita­lien): »On-Chip-Spek­tro­sko­pie«
Dr. Giu­seppe Anto­nacci, Prof. Dario Poli, Ric­cardo Magno (specto pho­to­nics Srl.)

Erkrankt der mensch­li­che Kör­per z. B. an Krebs oder Athe­ro­skle­rose, ändern sich die bio­me­cha­ni­schen Eigen­schaf­ten der vom Krank­heits­er­re­ger befal­le­nen Zel­len. Will man diese Zel­len mit aktu­el­len Ana­ly­se­ver­fah­ren unter­su­chen, braucht es oft den inva­si­ven Ein­griff. Die Bril­l­ouin-Spek­tro­sko­pie ver­folgt dem­ge­gen­über einen neuen Ansatz: Sie nutzt einen Licht­strahl, der es ermög­licht mecha­ni­sche und vis­ko­elas­ti­sche Infor­ma­tio­nen von orga­ni­schen und anor­ga­ni­schen Mate­ria­lien optisch abzu­ru­fen – ohne jeg­li­chen phy­si­schen Kontakt.

Vor die­sem Hin­ter­grund prä­sen­tierte das ita­lie­ni­sche Jung­un­ter­neh­men Specto Srl. beim »Digi­tal Pitch« ein Minia­tur­ge­rät zur Bril­l­ouin-Spek­tro­sko­pie, das auf alle mecha­ni­schen Kom­po­nen­ten ver­zich­tet und sie durch einen ein­zi­gen, minia­tu­ri­sier­ten Sili­zium-Pho­to­nik-Chip ersetzt. Das Licht wan­dert damit nicht mehr durch Lin­sen, son­dern durch die ult­ra­klei­nen gedruck­ten Schal­tun­gen auf dem Chip. Dadurch ist ihr Gerät nicht nur schnel­ler und genauer in der Daten­er­fas­sung. Es ist auch klei­ner und somit trag­bar sowie ein­fa­cher zu bedie­nen und preis­güns­ti­ger. Das Gerät soll für die Früh­dia­gnose von Athe­ro­skle­rose, Krebs, Kera­to­ko­nus, Menin­gi­tis, Alz­hei­mer und Amyo­tro­phe Late­ral­skle­rose genutzt werden.

 

2. Platz | Quan­tum Optics Jena GmbH: Sen­sor­tech­nik »QuSense«
Dr. Dr. Kevin Füch­sel und Dr. Oli­ver de Vries (Fraun­ho­fer IOF)

Indem sie die Beleuch­tungs­wel­len­länge für ein zu ana­ly­sie­ren­des Objekt (z. B. eine bio­lo­gi­sche Probe) von der Wel­len­länge für die Sen­sor­erken­nung (z. B. an einem Mikro­skop) ent­kop­peln, wer­den quan­ten­ba­sierte Ver­fah­ren zur Bild­ge­bung klas­si­sche bild­ge­bende Sys­teme revo­lu­tio­nie­ren. Anwen­dungs­po­ten­ziale lie­gen allem voran im Bereich der Mikro­sko­pie und damit der Bio­me­di­zin. Aber auch in der Auto­mo­bil­in­dus­trie, in der Qua­li­täts­kon­trolle oder in den Mate­ri­al­wis­sen­schaf­ten lie­gen Markt­chan­cen. Wesent­li­cher Bau­stein die­ser Tech­no­lo­gie ist ein nicht­li­nea­res Inter­fe­ro­me­ter, aus­ge­stat­tet mit einer Pho­to­nen­paar­quelle. Ein sol­ches nicht­li­nea­res Inter­fe­ro­me­ter so weit zu ver­klei­nern, dass es als »Plug & Play«-System an kom­mer­zi­ell erhält­li­chen Ras­ter­mi­kro­sko­pen ein­ge­setzt wer­den kann, ist Ziel der Sen­sor­tech­nik »QuSense«, die von der Quan­tum Optics Jena GmbH ent­wi­ckelt wird.

 

3. Platz | IDLoop (Jena): Kon­takt­kose Fingerabdruckmessung
Jörg Rein­hold und Dr. Tom Mich­alsky (IDLoop)

Die Kata­lo­gi­sie­rung von Fin­ger­ab­drü­cken spielt ins­be­son­dere in Behör­den eine zuneh­mend große Rolle. Ihre Auf­nahme soll schnell, robust und intui­tiv sein – und seit Covid-19 vor allem auch hygie­nisch. Das Jenaer Start-up IDLoop hat dafür ein Kon­zept ent­wi­ckelt, das Fin­ger­li­nien mit­tels opti­scher 3D-Mess­tech­nik im Mikro­me­ter­be­reich erfasst. Ziel ist eine nie zuvor erreichte Bild­qua­li­tät zu Her­stell­kos­ten, die mit bestehen­den kon­takt­lo­sen Sys­te­men kon­kur­rie­ren kön­nen. Die voll­stän­dige 3D-Erfas­sung der Fin­ger­li­nien macht die­ses Sys­tem ein­zig­ar­tig und erlaubt erst­mals eine voll­um­fäng­li­che behörd­li­che Zer­ti­fi­zie­rung. In Ver­bin­dung mit »Abroll­al­go­rith­men« sind kon­takt­los auf­ge­nom­mene Fin­ger­ab­druck­bil­der außer­dem kom­pa­ti­bel mit bestehen­den Daten­ban­ken. Dar­über hin­aus ist die Ver­wer­tung von 3D-Fin­ger­ab­druck­bil­dern für poli­zei­li­che bzw. foren­si­sche Anwen­dung möglich.

Über den »Digi­tal Inno­va­tion Hub Photonics«

Der »Digi­tal Inno­va­tion Hub Pho­to­nics« (DIHP) ist ein Pilot­pro­jekt des Lan­des Thü­rin­gen – getra­gen vom Thü­rin­ger Minis­te­rium für Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Digi­tale Gesell­schaft – mit dem (Aus-)Gründungen im Bereich Optik und Pho­to­nik geför­dert wer­den sol­len. Das Pro­jekt begann Anfang 2019 und ist am Leis­tungs­zen­trum Pho­to­nik des Fraun­ho­fer-Insti­tut für Ange­wandte Optik und Fein­me­cha­nik IOF und des Insti­tuts für Ange­wandte Phy­sik IAP der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät Jena ange­sie­delt. Wei­tere For­schungs­in­sti­tute am Stand­ort (Leib­niz HKI, Leib­niz IPHT und Helm­holtz Insti­tut Jena) sind mit dem Leis­tungs­zen­trum asso­zi­iert. Zur­zeit wer­den am DIHP ins­ge­samt acht Teams aus den ver­schie­de­nen Insti­tu­ten betreut. Dabei wird eng mit den ande­ren Part­nern inner­halb Jenas, Thü­rin­gens und den außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen zusammengearbeitet.

Kon­takt

Dr. Sebas­tian Händschke
Digi­tal Inno­va­tion Hub Pho­to­nics (DIHP)
Fraun­ho­fer IOF
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